Mobile Abwasseraufbereitungsanlagen

Die Funktionsweise einer mobilen Abwasserreinigungsanlage gleicht der einer stationären. Der Unterschied ist konstruktiver Art. Eine leichte und kompakte Bauweise ist notwendig und bestimmt den Aufbau der Komponenten. Die vollautomatische Steuerung des Gesamtablaufes basiert auf einer Siemens SPS und kann mehrere Reinigungsprogramme enthalten.

Die wichtigsten verfahrenstechnischen Schritte werden im Folgenden aufgeführt:

Neutralisation:
Beizen und Abwasser aus Reinigungen können sauer oder alkalisch sein und werden pH-Wert geregelt mit Salzsäure oder Natronlauge eingestellt. Zur Erhöhung der Absetzgeschwindigkeit oder Fällung von Fluorid oder Phosphat wird auch eine Kalkmilchdosierstation angeboten.

Fällung:
Gelöste Inhaltsstoffe werden in schwerlösliche Verbindungen überführt. Übliche Fällungsmittel sind Eisen(III)- oder Aluminiumsalze (z.B. PAC) und synthetische Polymere zur Spaltung von Dispersionen oder Emulsionen. Kontinuierlich betriebene Anlagen verfügen über eine separate Reaktionskammer für Neutralisation und Fällung.

Flockung:
Die Dosierung von Flockungshilfsmitteln - synthetische Polymere mit unterschiedlicher Ladungsdichte - ist dann erforderlich, wenn ausreichend große Flocken für eine entsprechend gute Sedimentations- oder Flotationsfähigkeit erreicht werden sollen. Kontinuierlich betriebene Anlagen enthalten zur Flockung eine zweite Reaktionskammer.

Schwerkraftabscheidung:
Chargenanlagen enthalten einen Sedimenter. Die kontinuierlich betriebenen Anlagen können wahlweise mit einem Lamellenschrägklärer zur Sedimentation oder zur Flotation ausgestattet werden. Sedimentierter Dünnschlamm sammelt sich in einem Trichter und wird periodisch abgezogen. Die zur Flotation erforderlichen Mikrobläschen werden durch Druck/Entspannung mit einer korrosionsbeständigen Mehrphasenpumpe erzeugt. Der Flotatschlamm wird mit einem Schlammräumer separiert. Lieferbar ist auch eine konstruktive Einheit, die beide Trennverfahren zulässt.

Dünnschlammaufbereitung:
Die Entwässerung des Dünnschlamms zu einem deponiefähigen Filterkuchen erfolgt mit einem Bandfilter.

Weitere Dosierstationen:
Je universeller die Anlage eingesetzt werden soll, desto mehr unterschiedliche Dosierstationen können erforderlich werden; z.B. Organosulfidlösung für erhöhte Arsen-/Antimonwerte oder die Kombination synthetischer Polymere für spezifische Problemstellungen. Wir helfen Ihnen bei der Auswahl der geeigneten Konfiguration.

Nachreinigung der Klarphase:
Zur Reinigung gemäß Einleitbedingungen und dem Stand der Technik sind für zahlreiche Problemstellungen weitergehende Reinigungsoperationen erforderlich.

  • Kontinuierlich selbst reinigendes Sandfilter zur Entfernung von Trübstoffen
  • Selektiv-Ionenaustauscher zur Feinreinigung von Schwermetallen
  • Aktivkohlefilter zur Abscheidung von KW, PCB und AOX
  • Rieselentgaser zur Entfernung von LHKW und BTX
  • UV-Nassoxidation zur Reduzierung von CSB und AOX

Die Indirekteinleitung industriellen Abwassers ins Schmutzwassersiel erfordert eine Vorreinigung gemäß den Einleitbedingungen der Länder oder Gemeinden. Ständig anfallende Abwassermengen und Frachten werden in stationären Anlagen gereinigt. Doch häufig fällt für einen bestimmten Zeitraum hoch belastetes Abwasser an, z.B. während Bau- und Sanierungsmaßnahmen, Reinigungen oder bei Störfällen. Dieses Abwasser kann aufgefangen, abtransportiert und zentral gereinigt werden. Kostengünstiger ist zumeist eine dezentrale Reinigung mit einer mobilen Anlage, die für die spezifische Problemstellung ausgestattet ist. Kleinere Abwassermengen können im Chargenbetrieb aufbereitet werden, größere Mengen erfordern eine Durchlaufanlage.

Die wichtigsten Anwendungsbereiche für mobile Anlagen sind:

  • An verschiedenen Orten durchzuführende Reinigungen
  • Störfälle mit verschiedenartigen Ursachen
  • Sammeln von kontinuierlich anfallenden Abwasser-Kleinmengen und dezentrale Aufbereitung

Anwendungsbereiche

Fassadenreinigung
Unter Einsatz von sauren, alkalischen oder lösungsmittelhaltigen Abbeizmitteln fällt bei nasser Fassadenreinigung stark verschmutztes Abwasser an. Einleitgrenzwerte für Schwermetalle werden zumeist um ein Vielfaches überschritten. In Farbpigmenten der Altanstriche befinden sich Blei-, Zink-, Cadmium- und Chromverbindungen. Ruß- und bleihaltige Verschmutzungen aus Kraftfahrzeugemissionen tragen zusätzlich zur Belastung bei. Bei der Reinigung von Steinfassaden gelangen durch den Einsatz flusssäurehaltiger Reiniger Fluoride ins Abwasser. Der Gesetzgeber fordert von Indirekteinleitern eine vollständige Erfassung des Abwassers vor Ort sowie die umfassende Vorklärung.

Reinigung und Sanierung von Rohrleitungen
Rohrleitungsreinigungen werden mittels Hochdruckreinigung, Säuern oder Morcheln ausgeführt. Neben Beschichtungsrückständen (z.B. Teer, Bitumen) und Ablagerungen aus dem Medium (z.B. Ruß, Cyanid, Kohlenstaub bei Koksgasförderung) fallen schwermetallhaltige Korrosionsrückstände an.

Reinigung von Wasser führenden Systemen
Wasser führende Systeme werden zumeist sauer gereinigt. Nach der Neutralisation fällt im Allgemeinen zink- und kupferhaltiger Rostschlamm an, der mitunter mit Frostschutzmitteln verunreinigt ist.

Reinigung von Maschinen
Zur Entfernung von Fetten und Schmierstoffen an Maschinenteilen werden meist alkalische Reiniger verwendet. Das Abwasser ist nach der Neutralisation mit emulgierten Kohlenwasserstoffen, teilweise auch mit Lösungsmitteln und Schwermetallen belastet.

Löschwasser

Löschwasser ist nach Bränden in unterschiedlicher Weise stark belastet. Die Rückhaltung ermöglicht eine Analyse der Belastung und die Aufbereitung gemäß den Einleitbedingungen.