

Kiesfilteranlagen sind dreidimensional wirkende Filterbettsysteme. Sie kommen zweckmäßigerweise dort zum Einsatz, wo die Trübstoffbelastung des flüssigen Mediums groß und die Filtrierbarkeit an zweidimensional wirkenden Filtersystemen schlecht bzw. unmöglich ist. Neben der rein mechanischen Filtrierwirkung kann der Trennvorgang fest/flüssig durch Adsorptionvorgänge an der Oberfläche des Filterkorns und durch heterogen katalysiertes Kristallwachstum unterstützt werden.
Filterquarzkies, bzw. Sand, wird in Abhängigkeit von der Beschaffenheit der zu entfernenden Feststoffe oder der gewünschten Fließgeschwindigkeit in unterschiedlichen Teilchengrößen ("Körnungen") eingesetzt.
Der prinzipielle Verfahrensablauf erfolgt unabhängig von der Größe einer Anlage. Die Betriebsrichtung (d.h. die Beladung) bei einem Festbettreaktor erfolgt von oben nach unten. Die Schmutzabscheidung hat eine allmähliche Verstopfung des Porensystems in der Schüttung des Filtermaterials zur Folge, so dass der Differenzdruck steigt und die Fließgeschwindigkeit abnimmt. Das Volumen des Porensystems beträgt bei den meisten Filtermaterialien rund 30 bis 40 Prozent des gesamten Filterbettvolumens. Bei einem Schmutzanteil von 5 bis 10 Prozent ist die Aufnahmefähigkeit jedoch erschöpft und eine Rückspülung muss eingeleitet werden. Die Auslösung des Rückspülprogramms im Automatikbetrieb kann optional zeitgesteuert, mengenabhängig oder differenzdruckgesteuert erfolgen. Bei Einfiltersystemen wird der Betrieb während des Rückspülprogramms unterbrochen.Bei Zwei- und Mehrstraßen-Pendelanlagen übernehmen Reservefilter den Betrieb. Bei Parallelanordnung von Zwei- und Mehrstraßen-Filtersystemen wird der Betrieb mit verminderter Filtratleistung fortgesetzt.Die Rückspülung besteht aus verschiedenen, nacheinander ablaufenden Spülschritten, die vollautomatisch, zeitgesteuert und durch das Schalten von Automatikventilen ablaufen oder bei nicht automatisch arbeitenden Anlagen von Hand durchgeführt werden müssen.
Das gesamte Spülprogramm dauert rund 25 bis 40 Minuten. Anschließend ist der Filter wieder betriebsbereit.
Der Einsatz von Kiesfilteranlagen in der Wasseraufbereitung als einzige Reinigungsstufe oder in Kombination mit weiteren verfahrenstechnischen Komponenten ist außerordentlich vielseitig.
Trink- und Brauchwasser
In der Trink- und Brauchwasseraufbereitung werden Kiesfilteranlagen zur Entfernung von mineralischen und organischen Trübstoffen eingesetzt. Häufig ist eine chemische Behandlung, wie die Dosierung von Fällungs- oder Flockungsmitteln, vorgeschaltet. Der wichtigste Einsatzbereich ist die Enteisenung und Entmanganung von Oberflächen- oder Brunnenwasser. Hierbei wird eine Oxidation mit Luftsauerstoff oder starken Oxidationsmitteln, wie Kaliumpermanganatlösung, der Filtration vorgeschaltet. Die Oxidation führt gut lösliche Eisen(II)- und Mangan(II)-Verbindungen über in schwer lösliche Eisen(III)- bzw. Mangan(IV)-Verbindungen.
Prozesswasser
Die In-Betrieb-Reinigung von Prozesswasser - wie z.B. die Entfernung organischer Verschmutzungen aus dem Kühlwasser offener Rückkühlwerke oder von Korrosionsprodukten aus geschlossenen Kühlsystemen oder auch dem Kondensat von Dampferzeugern - sind häufig umgesetzte Aufgabenstellungen.
Reinigungslösungen und Spülwasser
Die Wiederverwertung von Reinigungslösungen und Spülwasser aus Waschanlagen kann durch eine Entfernung der Schmutzbelastung über Kies- bzw. Mehrschichtfilter erreicht werden. Ein häufiger Anwendungsbereich ist die Feinreinigung von Abwasser nach einer Sedimentations- oder Flotationsanlage (z.B. in Betrieben der Metallbearbeitung) sowie in Galvanik- und Lackierbetrieben. Bei schwächer belastetem Spülwasser kann die Kies- oder Mehrschichtfiltration dabei zugleich als Reinigungsstufe zum Zweck der Wiederverwendung dienen.